3. Konzert
Fr, 19.03.2010 • Beginn: 21.00 Uhr • Café Teufelhart


Uwe Oberg (p)
Günter Baby Sommer (dr, perc)
Frank Paul Schubert (sax)
Die Süddeutsche Zeitung am 23.03.2010:
Dachau: Eine unkonventionelle Instrumentenbehandlung des Schlagzeugs ist bei den Konzerten des Jazz e.V. nichts Ungewöhnliches. Ein derart sympathischer Unterhaltungswert, wie er sich im Café Teufelhart beim Konzert des Trios Sommer/Schubert/Oberg um den Schlagzeuger Günter Baby Sommer einstellt, schon. Sommer war schon zu DDR-Zeiten, als Mitglied des Zentral Quartetts, eine der herausragenden Figuren des deutschen Jazz, den er als tief europäisch verwurzelte Kunst begreift.
Nun steht er mit zwei Musikern auf der Bühne, mit denen er in dieser Zusammensetzung erst ein einziges Mal musiziert hat. Am Vorabend. Und er steht einem geradezu handverlesenen Publikum gegenüber. An Beidem scheint Sommer großen Gefallen zu finden, freut sich über das eingeschworene Häufchen“ und ganz eindeutig auch über die Chance des künstlerischen Experiments. Denn was aus diesen Vorzeichen im Dachauer Jazzclub entsteht, ist ein ganz und gar unkonzertanter, die Musiker offensichtlich ungemein inspirierender Werkstattcharakter, in dem alles erlaubt, jede Form des Klangauslotens möglich ist. Was heute zu hören sei, werde neu erfunden, verspricht Sommer.
Das Ergebnis ist eine spontane Musik, bei der man den künstlerischen Entstehungsprozess unmittelbar erlebt: die gemeinsame Gestaltung der Dramaturgie, das Koordinieren dynamischer Fortschreitungen, das Auseinanderdriften in frei schwebendes, hochaufgetürmtes Klanggewölk, das Zusammenfinden zu rhythmisch kompakter Einheit. Die klanglichen Schwerpunkte sind dabei auf alle Instrumente verteilt, das Ausdrucksvermögen aller Musiker gleichermaßen hoch.
Und Baby Sommer? Sein Drumset möchte suggerieren, dass er eigentlich mehr Schlagwerker als Schlagzeuger ist: Rahmentrommel statt Hängetom, Kesselpauke statt Floor Tom. Strohbesen und Plastikschläuche als Ergänzung zum eigentlichen Spielgerät des Schlagzeugers, den Sticks. Und wirklich sind seine Darbietungen teils ganz eigentümliche, faszinierende Kollagen.
Mal singt er zu seinen Trommel- und Beckenschlägen, mal wischt er nur mit seinen Besen durch die Luft, leise Geräusche erzeugend, steigert sich zu furioser Lautstärke, reduziert sein Spiel plötzlich bis ins leiseste Pianissimo, spielt gar nicht mehr, schnippst nur noch mit den Fingern, tupft leise mit den Fingerkuppen über das Schlagzeug, klopft gegen die Wand hinter sich, spielt zu Schuberts herrlicher Zusammenführung von „Happy Birthday“ und „Der Mond ist aufgegangen“ die Maultrommel. Das Ausdrucksvermögen dieses Musikers wirkt unmittelbar emotionsgesteuert. Ein Klangfarbenspieler. Doch bei seinem großen Solo im zweiten Teil des Konzerts, durch seinen Feinsinn im Reagieren auf die Ideen der anderen Musiker und im subtilen Ergänzen des Klavierfundaments zeigt sich, dass Baby Sommer dabei stets noch etwas Anderes ist: ein unglaublich guter und technisch brillanter Jazzdrummer.
ANDREAS PERNPEINTNER
weiter zu den Konzert-Kritiken
Baby Sommer
Uwe Oberg
Paul Schubert